4.334
Begriff: AUTORENSTATEMENT
Definition: Ritualisierte Selbstauskunft. Ersatz für das Werk. Oft länger als das Werk. Immer schlechter.
Etymologie: Autor: lat. auctor (Urheber, Gewährsmann), von augere (vermehren). Statement: engl., von lat. status (Zustand). Also: Der Urheber teilt seinen Zustand mit. Als ob das jemanden interessierte.
Anmerkung: Man kennt sie. Man kennt sie alle. Sie sitzen auf Podien, in Literaturhäusern, in Podcasts, und sie sagen: Meine Texte wollen. Meine Texte versuchen. Meine Texte sind ein Gespräch mit. Als hätten die Texte einen Willen. Als wären sie Subjekte. Als könnte man ihnen die Verantwortung zuschieben für das, was man selbst nicht rechtfertigen kann.
Dann das Warum. Ich schreibe, weil. Ich schreibe, um. Ich schreibe gegen. Immer diese Litaneien. Als müsste man sich entschuldigen. Als bräuchte das Schreiben eine Begründung außerhalb seiner selbst. Es braucht keine. Es braucht nur Können. Das haben sie nicht, also begründen sie.
Und dann der Weltschmerz. Diese ostentative Empfindsamkeit. Dieses Innerstes-nach-außen-Kehren. Diese Selbstentblößung, die sich für Mut hält. Ist aber Exhibitionismus. Mit dem Unterschied, dass der Exhibitionist wenigstens weiß, was er tut.
Zur Schau gestellte Blödheit ist auch eine Form von Eitelkeit. Vielleicht die schlimmste. Weil sie sich für Bescheidenheit hält.
Querverbindungen: → 5.891 (Authentizität, Begriff der) → 6.003 (Simulation, Verachtung der) → 8.334 (Pose, literarische) → 11.445 (Werk, Abwesenheit von)
Zusatz: Wer über seine Texte redet, hat keine.