Szenen

Kaltenbach in Kneipen, auf Podien, in Gesprächen. Er kommt, er eskaliert, er bleibt. Die anderen gehen. So läuft das immer.

Der Zukunftsforscher

Der Zukunftsforscher

Der Zukunftsforscher  Rumsfelds Wiederkehr Der Mann saß schon am Tresen, als Kaltenbach kam. Laptop aufgeklappt. Milchkaffee mit Schaum. Stöpsel im Ohr, obwohl er mit niemandem sprach. Das Café in Miesbach hatte drei Tische und eine Kaffeemaschine, die älter war als die Wiedervereinigung, aber der Mann hatte seinen Laptop aufgeklappt, als säße er in einem dieser […]

Der Wortbesessene

Der Wortbesessene

Der Wortbesessene Eine Anatomie Kaltenbach war ein Arsch. Das wusste jeder außer ihm. Er kam in Räume und hatte Recht. Das war seine Art. Sein Fehler. Andere Männer sammeln Uhren. Oder Frauen. Oder Schulden bei den falschen Leuten. Kaltenbach sammelte Worte. Er hatte einen Zettelkasten. Einen echten Zettelkasten, Holz, Metall, alphabetisch sortiert und querverwiesen. A

Der Wortbesessene

Bei Haberkorns

Bei Haberkorns Eine Sezierung Es war kurz nach halb zwölf, als Büttner den Fehler machte, das Wort Théorie-Dérivezu benutzen. Kaltenbach hatte bis dahin geschwiegen. Nicht das Schweigen eines Zuhörers. Das Schweigen eines Mannes, der wartet. Das hätte Büttner warnen müssen. Haberkorns Frau war schon nach hinten gegangen, das Licht über dem Tresen brannte gedimmt, nur ihr

Der Wortbesessene

Bildung als Ornament

Bildung als Ornament Verachtung Jemand hatte ihm einen Text geschickt. Wieder einer. Kaltenbach las ihn zweimal. Das war einmal zu viel. Er klappte den Laptop zu. Griff zum Bourbon. Das Glas kalt. Gut so. Belesen, sagte er zur Wand. Der Mann ist belesen. Das sieht man. Das soll man sehen. Proust hier, McLuhan da, ein

Café in einer bayerischen Kleinstadt, Nachmittag, Winter. Drei Tische, Holzstühle, abgewetzte Polster. Kaffeemaschine hinter dem Tresen, verchromt, alt, älter als die Wiedervereinigung. Eine Frau Ende fünfzig dahinter, Kittelschürze, wartet auf nichts. Am Tresen zwei Männer. Der eine Ende sechzig, verwittertes Gesicht, tiefliegende Augen, grauer Stoppelbart, markante proletarische Züge. Cordhose, breite Hosenträger, weißes Hemd angegraut. Vor ihm eine Kaffeetasse, schwarz, halb leer. Er sitzt. Der andere steht bereits, Laptop unterm Arm, Ende vierzig, Fleecejacke, gepflegt, auf dem Sprung. Er hat den Mund leicht geöffnet, er sagt gerade etwas Höfliches, etwas Abschließendes. Der Sitzende schaut nicht hoch. Die Tür noch zu. Draußen graues Licht, ein geparktes Auto, Provinz. Auf dem Tresen liegt ein einzelner Ohrstöpsel, weiß, vergessen. Der Stehende wird gleich gehen. Der Sitzende wird bleiben. Die Frau hinter dem Tresen wird nichts sagen. Hyperrealistisch, Medium-Format-Schärfe, Leuchtkasten-Ästhetik. Inszeniert, aber erscheint uninszeniert. Alpenvorland-Atmosphäre, provinzielle Zeitlosigkeit. Holzbraun, Cremeweiß, kaltes Grau durch das Fenster. Keine Sentimentalität. Museumsmaßstab.

Der Zukunftsforscher

Der Zukunftsforscher Rumsfelds Wiederkehr Der Mann saß schon am Tresen, als Kaltenbach kam. Laptop aufgeklappt. Milchkaffee mit Schaum. Stöpsel im Ohr, obwohl er mit niemandem sprach. Das Café in Miesbach hatte drei Tische und eine Kaffeemaschine, die älter war als die Wiedervereinigung, aber der Mann hatte seinen Laptop aufgeklappt, als säße er in einem dieser

Seelenstriptease

Seelenstriptease Die Inthronisierung des Ungefährs Kaltenbach faltete die Zeitung zusammen, legte sie auf den Küchentisch, strich mit der flachen Hand darüber, einmal, zweimal. Haberkorn stand am Herd, rührte in etwas, das nach Eintopf aussah.»Die Schwere zwischen den Jahren«, sagte Kaltenbach. »Hörst du das, Haberkorn? Die Schwere. Zwischen den Jahren.«Haberkorn rührte.»Und was hat sie bewirkt, diese Schwere? Sie

Feinstaub

Feinstaub Ein Impuls Kaltenbach saß an der Theke, als der Mann hereinkam. Anzug, kein Schlips, das Jackett offen. Start-up oder Agentur. Einer von diesen. Man sieht es am Gang. An der Art, wie sie einen Raum betreten, als gehörte er ihnen. Als wartete jemand auf sie. Der Mann bestellte einen Gin Tonic, dann zog er

Ostflanke Eigenheim

Ostflanke Eigenheim Ein Befund Kaltenbach öffnete die Mail. Er kannte den Absender nicht. Er hatte nichts bestellt. Kein Abonnement, keine Liste, kein Newsletter. Trotzdem war sie da. Jemand hatte beschlossen, dass Kaltenbach wissen musste, was dieser Jemand dachte. Oder was dieser Jemand glaubte zu denken.Bevor das Jahr zu Ende geht, stand da. Bevor das Jahr

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